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Sonntag, 1. September 2013

Der Berg ruft!


Der Berg ruft (hier: http://sachenmacherin.blogspot.be/) und das ist eine prima Gelegenheit, endlich mal wieder zu probieren, die Ärmel-Phobie zu überwinden und etwas anderes zu stricken als Weihnachtsgeschenk-Bett-Socken aus weicher Alpaka-Wolle.

Werden soll es ein ganz klassischer, kraus rechts gestrickter Janker. Klingt banal, aber der Teufel liegt im Detail, da kein Schnickschnack und keine Bömmel von schlechter Passform ablenken. Ich habe etwa vier verschiedene Anleitungen gefunden, alle ganz unterschiedlich in Länge, Breite, Position der Taschen, Höhe des gefürchteten Armlochs...also werde ich wohl nach dem Motto "Eine Hausfrau hat das im Gefühl" stricken müssen. Zum Glück ist diese leicht müffelnde Wolle recht robust, denn ich rechne mit einigem "edit - undo"...aber ich bin recht zuversichtlich, eigentlich...

Anschlag 93 Maschen auf Nadel Nr. 4... "un dann samma auffi, over di Wuiken un hom a G'freid ghobt!" (Luis Trenker) 

  

Dienstag, 29. Mai 2012

Griseldis strickt weiter....


Gut, über den Pullover (mit Original-Garn, nach Anleitung) möchte ich kein Wort verlieren....kurz vor dem Armloch ist mir augefallen, dass der Pullover wohl einem Elefanten passen würde.

Wie gut, dass ich besagten Pullover total vernachlässigt habe, nachdem es mir gelungen war, mir als einzelgängerische, grantige Fränkin ein in Eigenverlag heausgegebenes Buch, den Chiemgauer Loiferlstickband gewissermassen zu erschleichen. Wie, das verrate ich natürlich nicht. Schliesslich will ich meine Kontakte nicht in Gefahr bringen. Nach allem, was ich im Internet über Trachtenverbände in Erfahrung bringen konnte, kennen die recht wenig Spass, wenn es um ihr G'wand geht.

Keine Sorge, ich will besagte Loiferl weder verunglimpfen noch abwandeln noch in den Schmutz ziehen, nachdem meine Mustersammlung reich ist an "mainstream" Trachten-Anleitungen, wollte ich einfach einmal die echte, "hardcore"-Version nachstricken, aus Neugier und wegen der Technik. Für alle, die jetz "häh???" sagen, das ist so wie der Unterschied zwischen Musikantenstadl und Volksmusik. Kitsch in beige-meliert mit sinnlosen Metall- und Kunstlederteilen versus überlieferte Muster, an denen man die Herkunft der Träger sehen kann. Positiv formuliert. Gestaltungsfreiheit und Modernität versus Uniformierung. Negativ formuliert. Da aber meiner Meinung nach das Schlimmste am Alter nicht etwa die Falten, Cellulite und Speckringe sind, sondern der Verlust der Gewissheit. Ist es nicht beruhigend, wie Teenager genau wissen, was gut ist oder schlecht, schön oder hässlich - pardon, out, peinlich, daneben, uncool, unmöglich...ab einem gewissen Alter gibt es kaum mehr schwarz und weiss, fast nur noch grau, die Welt verliert an Farben und Kontrasten. Man ist nicht mehr blind gegenüber der Schwächen und Nachteilen der Menschen und Dinge die man liebt, muss auch den Dingen, die man eigentlich ablehnt, durchaus positive Seiten abgewinnen (natürlich ist die industrielle Massentierhaltung schlecht, grausam und ungesund, aber ist nicht sie es, die es fast jeder Familie in der westlichen Welt ermöglicht, nicht nur am Sonntag ein Huhn im Topf zu haben?)...aber ich schweife ab.

Es war eine bereichernde Erfahrung, Loiferl nach der Original-Anleitung eines Trachtenvereins stricken zu dürfen. Und auch noch jemanden zu finden, der sie zu tragen versprach...

Wie immer war das Stricken für mich viel einfacher als die Stickerei, aber ich gebe bekanntlich nicht so leicht auf.

Behilflich waren der Stopfpilz (ohne Fuss) meiner Grossmutter, der wohl einmal grün gewesen war und den ich auch nicht für viel Geld hergeben würde (und für den wohl auch kaum jemand ein Gebot abgeben wollen würde), sowie ein Fund vom Nürnberger Trempala-Markt in diesem wonnigen Mai, eine sehr geschmackvolle Porzellanfigur vom röhrenden und röchelnden Hirsch, erstanden unter grossem Gelächter für nur 2 Euro, wegen abgebrochener Geweih-Spitzen...wahrscheinlich lachte der Verkäufer noch lauter als ich, dass jemand zwei gute Euro, also ein Seidla Bier in einenm Bierkellter auf dem Land, für so eine kitschige, lädierte Porzellan-Figur zu zahlen bereit ist, aber ich wollte mir eh das Saufen abgewöhnen und muss jedesmal lachen, wenn ich die beiden Hirsche sehe. Gut, es war die heraushängende, rosa Zunge des röchelndes Hisches, die mich zum Kauf bewog, zumal ich mich an diesem Tag wegen eines heranziehenden Männer-Schnupfens (= lebensbedrohliche Atemwegserkrankung) selber genau so fühlte.

Hier also die geballte Ladung, echte Loiferl nach dem Muster des Chiemgau Alpen Verbands für Tracht und Sitte, der abewetzte Stopfpilz ( alter Familienbesitz)  und der röhrende und der röchelnde Hirsch (Flohmarktfund und Geldverschwendung):


Die Übergabe erfolgte im Wiesn-Biergarten in Nürnberg unter den amüsierten Blicken der anderen Biertrinker:


Und jetzt brauche ich dringend eine neue Ausrede, mich vor dem Pullover-Stricken zu drücken....

 Nachtrag: Ich habe mich möglichst genau an das Muster gehalten, die "Aktivengrösse" mit 88 Maschen für den Umschlag passt schmalen bis mittleren Wadeln ganz problemlos (mit meinen geliebten 2,25er Nadeln gestrickt, Lana Grossa meilenweit weiss mit Schachenmayr tannengrün als Kontrast, Verbrauch etwa 70 gr/35 gr, also 2+1 Knäul). Sicherheitshalber habe ich abweichend von der Anleitung am Beginn des Bündchens eine Lochreihe eingestrickt, um gegebenenfalls einen Gummi einziehen zu können.

 

Sonntag, 24. Oktober 2010

Trachtenjacken...

Vieleicht würde mir das Stricken meines Jankers leichter fallen, wenn ich mich an eine Anleitung halten würde...denn nach vielen fast völlig Trachtenmuster-freien Jahren scheint Tracht (oder was manche dafür halten) wieder voll im Trend.

Das Titelblatt der aktuellen Verena ziert eine grüne, bestickte Jacke im Trachtenstil. Zuerst war ich entsetzt, wie die Knopfleiste auseinanderklafft, aber das ist kein Fehler, sondern Teil des Designs und muss so sein, weil die Knopfleiste in Wellenlinien gestrickt ist...leider das einzige trachtige Modell im Heft.

Ausserdem gibt es ein Filati Spezial "Landhaus einmal anders", mit klassischen Herren-Jankern in kraus rechts und einigen, hmm, etwas anderen Modellen für die Dame. Den Kapuzen-Janker für Teenager finde ich recht nett, zweifle aber daran, das Teenager davon begeistert wären - aber kleineren Mädchen würde er sicher gefallen. Für 2,50 Euro kein schlechter Kauf. Was ich beim Betrachten dieses Heftes für meinen Janker gelernt habe, ist der grosse Unterschied, den Wolle und Nadelstärke ausmachen. Der eine abgebildete Herrenjanker gefällt mir recht gut, der andere sieht für meinen Geschmack zu lappig aus.

Dann habe ich mir noch "Maschen Style 3/10" von Schoeller und Stahl für 3,95 Euro geleistet. Vier Damen-Modelle, drei davon ehr im Zuckerbäcker-Stil, also in bunten Farben und mit Keulen-Ärmeln und/oder Schösschen, allerdings ohne Stickerei, das vierte Modell ist schlichter, figurbetont und gefällt mir am besten. Obwohl, die anderen Modelle sind sicher auch gar nicht so übel, wenn man sie nicht garade in Pink oder Türkis strickt...

Die Schachenmayr-Trachtenmodelle aus den Inspiration-Heften gibt es jetzt als Buch, Trachtenmode Stricken, Topp Verlag. Das Buch enthält ein paar Kniestrümpfe für Damen (Lochmuster in weiss) und Herren (Zopf und Zugmaschen), sowie trachtige Söckchen (bäh!! - das ist natürlich nur ein ganz persönliches, subjektives, gegen trachtige Söckchen im allgemeinen gerichtetes bäh und nicht als Kritik am Designteam von Schachenmayr gemeint). Ausserdem Krausgestricktes für die ganze Familie mit und ohne Ärmel, Zopfmuster-Jacken für den Herren, eine Berchtesgadener Jacke für Damen und noch andere Modelle.

Bei so viel Auswahl sollte doch sogar ich etwas finden...
Aber nein, natürlich muss mein Janker ein Unikat werden und ein bisserl so, ein bisserl anders aussehen. Ich bin also an meinem Unglück selber Schuld.

Samstag, 23. Oktober 2010

AS-Roma-Loferl



Habe ich im letzten Post behauptet, dass ich traditionelle Farben mag? Stimmt auch im allgemeinen. Aber keine Regel ohne Ausnahme!

Das sind die AS-Roma-Loferl, aus einer Bierlaune entstanden.
Gabor ist Ungar und Fan von AS Rom, meine Landlust-Loferl fand er toll, denn Fussball-Fans leiden anscheinend bei der Ausübung ihres Hobbies leicht unter kalten Waden.
Die anderen fanden, dass bayrische Loferl zum Fussball-Fan und seinen Turnschuhen ein Sakrileg sind...Loferl in den Vereinsfarben allerdings wären als Geburtstags-geschenk zulässig...gesagt, gestrickt!
Bei Tolle Wolle in Nürnberg habe ich Sockengarn in den richtigen Farben gefunden, von Lang...Ja, die schöne, etwas teurere Sockenwolle, wo jeweils eine kleine Spule Beilauf-Garn für die Ferse mitgeliefert wird...Naja, das ist eben Sockenwolle und nicht Loferl-Wolle, aber was tut man nicht alles, um die schaurig-schöne Farbharmonie von AS Roma möglichst genau wiederzugeben.
Allerdings ist der Geburtstag erst im Dezember, also muss ich sie selber vorführen.

Ich habe das schöne und anpassungsfähige Muster von Susi benutzt (zu finden hier: http://susi60.wordpress.com/2009/09/21/16172009-nochmal-zwei-paar/), allerdings mit einem glatt rechts gestrickten Streifen hinten, den ich im Maschenstich bestickt habe...eigentlich wollte ich den Trick mit der aufgenähten Luftmaschenkette ausprobieren, aber das &*§*(!ç£ Ding hat sich dauernd verdreht...und an Farbkontrast mangelt es sowieso nicht, also fällt auch die gestickte Ranke genug auf! Der Umschlag (abweichend von der Anleitung versetzte Streifen - Maschenzahl durch 6 teilbar, jeweils 3 Maschen orange, 3 dunkelrot, jede Reihe um eine Masche versetzen, 1 dunkelroter Linksmaschen-Streifen, dann Streifen in die andere Richtung versetzt ) ist etwas breit geraten...Naja.

Vielleicht wird das jetzt die neueste Mode für den Fussball-Fan...
Hat jedenfalls Spass gemacht!
Um es mit Antonello Venditti zu sagen: "Grazie Roma!"


Freitag, 22. Oktober 2010

Wer abnimmt, muss auch wieder zunehmen!

Das ist jetzt kein neuer Diät-Tipp, sondern mein Janker...ich musste wieder 3 cm auftrennen, weil ich ganz übersehen hatte, dass ich nach der Taille am besten gleichmässig verteilt auf die verbleibende Höhe bis zum Armloch die abgenommenen Maschen wieder zunehmen muss...
Muss ich eigentlich nicht einmal, denn mein Hintern hat einen grösseren Umfang als die Oberweite, aber wenn es der Symetrie dient...die letzte Zunahme findet 2 cm unter dem Armloch statt, das hilft irgendwie beim späteren Ärmel-Einfügen, vor dem mir schon jetzt graut...
Dass Evelyn mir Druck macht und eventuell mitstrickt, finde ich ganz toll!
Das mit der Frage "Taille oder nicht?" nehme ich gar nicht krumm, im Gegenteil. Da in meiner Region Trachten leider nicht (mehr) alltäglich sind, finde ich es schön, wenn jemand erklärt, wie ein trachtiges Teil im Original aussehen sollte. Und als Strickerin geniesse ich die grösstmögliche Freiheit, etwas Traditionelles oder total verrücktes zu produzieren und ich geniesse diese Freiheit! Und anscheinend nicht nur ich... hier http://www.strickpunkt.de/de/blog/do/detail/page/3/id/117.html kann man einen Regenbogen-Janker aus Noro-Wolle bewundern...wäre nicht mein Fall, weil ich ein kleines Problem mit "scheckiger" Wolle habe, aber warum nicht?
Im Allgemeinen mag ich grau und dunkelgrün - und wandle lieber die Form ab. Das Problem ist nur, die Form, die ich mir vorstelle, auch so zu stricken!

Dienstag, 19. Oktober 2010

Der Janker

Toll, dass Evelyn auch einen Janker stricken will...allerdings einen Sarner, nicht tailliert...
Ja, liebe Evelyn, bei mir hat der Janker eine (leichte) Taille und diesmal will ich das angefangene Rückenteil nicht wieder auftrennen, sogar wenn Du meinst, es sollte eigentlich keine Taille geben. Irgendwann macht auch die robusteste Wolle schlapp! Aber keine Angst, Du wirst mich sowieso locker einholen...auch wenn ich jetzt gerade keinen Baktus stricke...
Es freut mich riesig, eine Mitstrickerin zu haben, denn ich brauche schon ein bisserl Druck (der Pullover ist noch immer nicht zusammengenäht, Schande über mich!). Ausserdem bin ich riesig gespannt, wie ein echter Sarner aussieht...Welche Farbe, ob Kontrast-Farbe, Kellerfalte, Taschen und Futter oder nicht...
Erst seit ich die Welt mit den Augen einer Strickerin betrachte, ist mir aufgefallen, wie viele Varianten es sogar bei kraus rechts gestrickten Jacken gibt!
Wie mein Janker werden soll, das weiss ich selber noch nicht ganz genau, jedenfalls nicht ganz klassisch, ich habe eine Idee im Kopf, weiss aber noch nicht, ob sie sich verwirklichen lässt...nur die Farbe steht schon fest, Hellgrau mit meinem Lieblings-Dunkelgrün.

Samstag, 16. Oktober 2010

Rechte Maschen oder man nennt mich jetzt Penelope

Ich lebe noch und ich stricke auch...rechte Maschen bis zum Abwinken.
Die Nadelparaden-Teilnehmer denken jetzt wahrscheinlich an den Baktus, aber nein.
Ich will endlich einen Janker stricken. Schachenmayr Trachtenwolle auf 3er Nadeln (viel zu fest, hart wie ein Brett, aber ich will das so!), kraus rechts. Und wo ist das Problem?
Da, wo es bei mir immer ist, bei der Passform. Ich habe einen lebensgrossen Papier-Schnitt angefertigt, eine Maschenprobe gemacht und begonnen. Wieder aufgetrennt. Neu begonnen. Wieder aufgetrennt. Neu begonnen mit einigen Maschen mehr. Zum Glück ist Schachenmayrs Trachtenwolle recht robust. Habe das Strickstück ein halbes Jahr in einer Ecke liegenlassen. Wieder aufgetrennt. Neu begonnen. Das Rückenteil fertig gestrickt. Festgestellt, dass es zu lang und zu tailliert ist. Wieder aufgetrennt. 300 Gramm. Fast 100 Gramm sind wieder verstrickt und diesmal gefällt mir die Form.
Aber Oblomova nennt mich jetzt Penelope und fragt mich immer, wieviel ich gestern wieder aufgetrennt habe.

Freitag, 28. Mai 2010

Landlust-Loferl



In der Zeitschrift "Landlust" vom März/April war ein sehr interessanter Artikel über eine Dame, die allerlei Arten von Trachtenstrümpfen strickt und ich musste einfach die Loferl (Loiferl) nachmachen, zumal sie in meinem Lieblingsgrün sind.


Manche Leute wundern sich, warum die Bayern komische gestrickte Manschetten um die Wadeln tragen...das sind sie, die Loferl, von denen man oft recht kurze, gewissermassen im Lauf der Evolution verkümmerte Exemplare sieht.


Manchmal ist das Loferl auch zweiteilig, mit einer Art Sneaker-Socke kombiniert, doch Experten meinen, das sei die Version für Weicheier. Dieser Meinung habe ich mich sofort angeschlossen, da ich das Stricken von Sneaker-Socken langweilig finde und meine Vorräte an lieblingsgrüner Wolle leider auch beschränkt sind.


Auch ist das Gerücht falsch, die zweiteiligen Loiferl seien historisch entstanden, um bei abgewetzten Fersen schnell und einfach einen neuen Fuss zu stricken und das Beinteil weiter zu verwenden...Durchgewetzte Fersen wurden gestopft oder sogar mit Stoff-Flicken besetzt. Vielmehr stammen die Loferl aus der Zeit, wo Schuhe noch Luxus waren und dienten dazu, die Beine der barfuss laufenden Träger(innen) zu wärmen und auch um die nötige Sittlichkeit zu wahren, denn das Vorzeigen nackter Haut war verpönt. Daher auch die "richtige" Länge vom Knie bis zum Knöchel.
Das Stricken der Loferl hat grossen Spass gemacht und war mühelos mit einer Maibock-Probe und der mir zugedachten Rolle als "Brunskartler" zu verbinden...

Deshalb melde ich auch meine Loferl gleich als "gute Laune Socken" bei der Nadelparade http://gefangener-engel.de/?p=9901 an, obwohl ich schon wieder das Thema verfehlt habe, denn es sind streng genommen gar keine Socken, eine der drei vorgeschriebenen Farben fehlt auch und zum vorherigen Ablichten der Wolle hatte ich keine Zeit, weil ich unbedingt gleich mit dem Stricken beginnen wollte...aber nach ein paar Gläsern Maibock sind einem solche Details total wurscht...Prost!

Montag, 1. März 2010

Hurra, ich bin dabei!

Zu meiner riesengrossen Freude habe ich es auf die Teilnehmer-Liste der Nadelparade geschafft (wer Zweifel hat, kann selber hier nachsehen: http://gefangener-engel.de/?page_id=8986 )

Zwischenruf:

Zuerst muss ich natürlich etwas zum Handy an sich loswerden...ja, ich besitze eines, siehe Beweisfotos! Und ich bewundere die Weitsicht der Erfinder, das Handy ist ein Produkt, das seine Nachfrage selber erschafft, die Menschen benutzen es nicht etwa, weil sie etwas zu sagen hätten, nein, sie benutzen es einfach nur deshalb, weil sie ein Handy haben. Leute, die auf der Strasse scheinbar Selbstgespräche führen oder irgenwo im "öffentlichen Raum" ihre Privat-Angelegenheiten im kleinsten Detail ausbreiten, stören mich nicht weiter. Ausgiebige Gespräche in überfüllten Umkleidekabinen zu Zeiten des Schlussverkaufs schon ehr. Dass jemand im Abteil neben mir auf der Damen-Toilette ein Gespräch angenommen hat, um fröhliche Belanglosigkeiten auszutauschen, das hat mich schon sehr erstaunt.
Aber mein Handy ist sowieso anders, es ist in Wahrheit eine tragbare, private Telefonzelle. Ich kenne meine Nummer nicht auswendig, fast niemand hat sie, wer sie hat, weiss, dass ich auf dem Handy nicht erreichbar bin, weil ich es nur dann kurz einschalte, wenn ich etwas zu sagen habe - eine tragbare Telefonzelle eben! Deshalb finde ich es auch eine gute Idee, das selten benutzte Stück in eine liebevoll gestrickte Hülle zu stecken...warum muss ich dabei nur an die gehäkelten Klorollen-Überzüge denken, die früher die Hutablagen pastellfarbener Opels und Fords zierten?

Und nun zur Sache:

Natürlich habe ich die Februar-Aufgabe schon fertig: eine Handy-Mütze...
Meine Handy-Mütze ist natürlich im klassischen Trachtensocken-Stil!

Von vorne:




Und etwas weniger klassischer "Alpenkitsch" von hinten:



War ein grosser Spass, die Handysocke...äh, Mütze zu stricken.
Natürlich habe ich, wie schon so oft, die Aufgabe überflogen, mich gefreut: "prima, das kann ich mit Links!" und erst viel zu spät den Text gründlich gelesen...dass das mit der Mütze nicht im übertragenen Sinne, sondern wörtlich gemeint war! Thema verfehlt, setzen, fünf!
Natürlich versuche ich, mich rauszureden: es muss erst mal jemand beweisen, dass dieses Teil keine Mütze darstellt! Oben spitz zulaufend und mit einem Bommel endend, das wäre vielleicht "mütziger" gewesen, doch würden sich in dem Bommel alle klebrigen Krümel ansammeln, die sich auf dem Grund meiner Handtasche, dem gewöhnlichen Aufenthalt des Handys, abgelagert haben! Also doch lieber der elegante, pfegeleichte Mäusezähnchen-Zackenrand. Die freundlichsten, mir zur Verfügung stehenden Frühlingsfarben habe ich auch benutzt: DAS GRÜN sowie das allerhellste, frühlingshafteste Grau!
Auch sonst folgt die Form der Funktion, das Bündchen unter dem Umschlag hält die MÜTZE (sic!) auf dem Handy und verhindert das herausrutschen, ausserdem hat das gestrickte Werk schon einige Menschen zum Lachen gebracht...und darauf kommt es doch schliesslich an, oder nicht?

Samstag, 16. Januar 2010

Egoismus

Trachtenpolizei bitte wegschauen!





In diesem kalten Winter habe ich beschlossen, einmal etwas für mich selber zu stricken, und zwar klassische Trachtensocken als fingerlose Handschuhe. Das ist weiter kein Problem, wer einen Wadenkeil stricken kann, der kann das Muster auch zum Daumenkeil umwandeln...



Die Anatomie der männlichen Trachtensocke

Achtung: dieser Beitrag ist durchaus nicht jugendgefährdend...sondern ehr langweilig.


Der Anfang

Wahlweise:

  • ein Umschlag (wie auf dem Bild)
  • Ein doppelter Rand - der Umbruch wird durch wahlweise eine Lochreihe („Mäusezähnchenrand“) oder eine Reihe linker Maschen erreicht
  • Ein langes geripptes Bündchen, das bis über das Knie reicht, für sogenannte Bundhosenstrümpfe. Wurde besonders gerne in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts getragen, am liebsten in knallrot als Kontrast zur schlammfarbenen Wander-Kniebundhose aus Cordsamt.

Während die Strümpfe mit doppeltem Rand nie falsch sind, sind Bundhosen-Strümpfe wie der Name schon sagt nur zu Hosen geeignet, die das Knie bedecken. Schliesslich sind Overknees bei den meisten Männern nur bedingt sexy. Strümpfe mit Umschlag kommen nur bei kurzen Hosen richtig zur Geltung. Deshalb hat sich der Herr, dem ich die Strümpfe mit dem karierten Umschlag gestrickt habe auch extra die passende kurze Lederhose gekauft (was ich sehr lobenswert finde!).



Nach dem Umschlag stricke ich gerne einige Zentimeter im Bündchenmuster, mit einer linken und einer rechts verschränkten Masche. Das gibt Halt und es geht schnell, denn schon jetzt mit dem eigentlichen Muster anzufangen wäre vergebene Liebesmüh, denn dieser Teil des Strumpfes verschwindet unter dem Umschlag.



Welchen Anfang man auch wählt, wichtig ist neben der Zierde auch der Halt. Trachtenstrümpfe sind knielang und sitzen stramm am Bein, damit das Muster gut zur Geltung kommt – sie hängen keinesfalls auf Halbmast oder schlabbern um die Knöchel.

Der Wadenkeil

Gleich nach dem Bündchen sollten bei Zugmaschen-Mustern einige Maschen zugenommen werden, da diese Muster sich stark zusammenziehen. Hier beginnt auch gleich der Wadenkeil, mit etwa zwei Dritteln seiner maximalen Breite...das gibt zusätzlichen Halt, die Schwerkraft ist bekanntlich die Feindin jedes Strumpfes und jeder Socke.
Abgesehen von diesem praktischen Aspekt ist der Wadenkeil die Zierde des Strumpfes und diente ursprünglich dazu, die stramme Wade zu betonen und die mickrige Wade strammer erscheinen zu lassen. Angeblich wurde zu diesem Zweck früher sogar manchmal für diesen Teil des Strumpfes dickere Wolle verwendet. Bei meinen Recherchen habe ich gesehen, dass ein Münchner Anbieter von Lederhosen sogar eine Art Mogel-Wadl erfunden hat, welches, zwischen Bein und Strumpf geschoben, einfach mehr hermacht! Das wäre sicher auch eine Lösung, wenn der schöne Strumpf um die Wade zu weit geraten ist, als Alternative zum Auftrennen des mühsam und kunstvoll gestrickten Wadenkeils.
Bei Damen und Kindern beginnt der Wadenkeil übrigens bei seiner Maximal-Breite und alle Wadenkeile sind im unteren Drittel des Beins völlig verschwunden. Die Abnahme der Maschen orientiert sich im Idealfall an der Form der Wade.



Der Strumpfzwickel

Zweifellos die Königsdisziplin des Trachtensockenstrickens. Dieses Teil sitzt seitlich, etwa fünf-Finger-breit über dem Knöchel und verbreitert sich leicht in Richtung Schienbein und Ferse. Habe ich noch nicht gestrickt und Anleitungen bisher nur im Buch „Bäuerliches Stricken“ gesehen. Steht aber auf meiner do-liste!

Der Fuss

Ferse und Fuss werden ganz normal gestrickt – bei mir Käppchen-Ferse, anfangs mit Beilauf-Faden, später habe ich die Verstärkung durch ein gestricktes Gittermuster gefunden, die mir besser gefällt. An welcher Stelle des Fusses das Muster aufhört ist Geschmackssache und hängt auch nicht zuletzt von den getragenen Schuhen ab. Einerseits reiben glatt gestrickte Socken weniger, andererseits finde ich es nicht schön, wenn das Muster zu früh endet.



Nachtrag

Als Material finde ich 4-fädige Sockenwolle am besten, bei dickerer Wolle könnte ich nicht genug Muster unterbringen. Ich stricke die Strümpfe am liebsten mit 2,25er Nadeln.
Die Farbe ist Geschmackssache, allerdings musste ich leidvoll feststellen, dass Zugmaschenmuster nur bei sehr hellem Grau schön plastisch wirken und dunklere Farben viel Muster „schlucken“.

Auf alten Abbildungen findet man durchaus auch andere Farben - vor allem wollweiss, rot, blau, grün, bräunlich...allgemein sind Zugmaschen-, Zopf- und andere plastische Muster am häufigsten, Lochmuster werden kaum verwendet, andersfarbige Zierstickereien und farblich betonte Strumpfzwickel kommen auch vor. Leider sind die Muster der Strümpfe auf den meisten Abbildungen nur angedeutet und nicht klar genug zu erkennen, als dass es möglich wäre, sie nachzustricken...

Samstag, 3. Oktober 2009




Liebe Leserin, liebe Bine!


Ich war ganz schön erschrocken, dass jemand meinen Blog gefunden hat und sich auch noch als Leser registriert hat - hätte ich nie gedacht!


Habe mich sehr gefreut und bin jetzt natürlich motiviert, den blog weiter zu schreiben (statt im Sessel zu sitzen und Socken zu stricken), zumal das Ziel jetzt nicht nur ist, mit der modernen Technik mitzuhalten, sondern auch, die einzige Leserin nicht zu enttäuschen...


Inzwischen habe ich beim Stricken gewisse Fortschritte gemacht. Zumindest behaupte ich das.


Dabei geholfen haben mir die drei Hefte mir dem Titel "Überlieferte Strickmuster aus dem Steirischen Ennstal", die mir meine Buchhandlung freundlicherweise für 6,95 je Band bestellt hat. Eine sehr gute Investition. Es handelt sich um Zugmaschen-Muster, ähnlich wie in der dreibändigen Bibel vom Bäuerlichen Stricken...allerdings meiner Meinung nach viel benutzer-freundlicher für Anfängerinnen - vom Preis ganz zu schweigen. Die drei Bände bauen nicht direkt aufeinander auf und in jedem Band ist ein Modelfleck mit den enthaltenen Mustern abgebildet. Dadurch, dass die Muster nebeneinander gestrickt fotografiert sind, fällt es sehr leicht, die Wirkung verschiedener Musterkombinationen abzuschätzen (grober-feiner, plastischer, weniger plastisch). Ausserdem gibt es auch einige konkrete Anleitungen:


Teil 1: Männerstutzen mit Wadenkeil, Damenjacke 42, Mädchenjacke, Herrenjacke 52, Kinderjacke 3-4 Jahre.


Teil 2: 3 mal Männerstutzen mit Wadenkeil, Männerjacke 50/52, ärmellose Damenjacke 42, Kinderjacke 3-4 Jahre.


Teil 3: Männerstutzen mit Wadenkeil, Bubenstutzen (5-6 Jahre), Damenstrumpf, Männerjacke 50/52, Frauenjacke 42, Bubenjackerl (4-5 Jahre).


Natürlich kann man kreativ sein und Muster, die einem weniger gefallen, durch andere mit ähnlicher Breite ersetzen oder einen anderen Wadenkeil wählen, doch sind diese Anleitungen für den ersten Versuch sehr nützlich.


Allerdings sind alle Socken-Anleitungen ohne Umschläge, sondern mit Mäusezähnchen-Rand, der mir persönlich an Herren-Stutzen seltsam vorkommt und außerdem unpraktisch, zumal dazu geraten wird, einen Gummi einzuziehen. In dem Fall würde ich für den Umbruch nicht eine Lochreihe, sondern eine Linksreihe stricken - dann schaut der Gummi nicht durch.


Wie dem auch sei, ich liebe Umschläge, je prächtiger, desto besser. Und Strumpfband-ähnliche Gummiringe kann man notfalls auch unter den Umschlägen verstecken, sollten die Wadeln zu mickrig sein, den Strumpf oben zu halten. Deshalb stricke ich Umschläge auch zu österreichischen Zugmaschen-Mustern mit Wadenkeil ("Zweifache Kette" aus Band 2 mit einem anderen Strumpf-Muster aus dem selben Band), und das sieht dann so aus wie auf den Bildern.
Natürlich habe ich mich auch beim Strumpf nicht genau an die Anleitung gehalten. Das Muster hört ja meist, je nach Anleitung, irgendwo unter dem Fussknöchel auf, was auch sehr vernünftig ist, da das Muster-Stricken mehr Arbeit macht und auch im Schuh mehr reiben kann als glatt rechts gestrickte Maschen. Hört das Muster zu früh auf, sieht man, je nach Schuh, den ungemusterten Teil, was mir nicht gefällt. Also lasse ich das Muster erst auf der Mitte des Spanns auslaufen, und zwar nicht auf einmal, was wie abgehackt aussieht, sondern spitz zulaufend. Das ist sozusagen meine persönliche Note.


Sonntag, 15. März 2009

Der Anfang...ist manchmal gar nicht schwer!



Die erste aus meiner Sicht brauchbare Anleitung bekam ich geschenkt! Meine Tante wollte ihre alten Strickbücher verschenken und dachte dabei an mich! Das Buch "Die schönsten Handarbeiten: Vom Anfängerglück zum Meisterstück, schicke Sachen zum Selbermachen" vom Naturalis-Verlag strahlt den geballten Charme der 80er Jahre aus...doch auf den Seiten 206-208 finden sich drei Anleitungen für Trachtenstrümpfe für Herren, jeweils mit Umschlag.
Die Beschaffung von 2,5er Stricknadeln und 4-fädiger grauer Sockenwolle war kein Problem, wohl aber das richtige Grün. Petrol-, Schilf- und Moosgün, militärisches Tarngrün, Granny-Smith Apfelgrün und Kermit-der-Frosch-Grün. In einem Wollgeschäft hatte die Inhaberin Erbarmen und bestellte extra für mich tannengrüne Regia-Sockenwolle, von der ich jetzt noch zehre...
So konnte ich nach dieser leicht verständlichen Anleitung Sockenpaar Nummer 1 stricken, das Muster eine Mischung aus Zugmaschen und Lochmustern, mit einem grün bestickten Streifen in der hinteren Mitte.

Warum Trachtensocken? Und warum einen blog schreiben, statt zu stricken?

Als ich vor zwei Jahren auf der Durchreise am Tegernsee einer Kapelle bei der Aufstellung zusah, haben mich die Trachtenstrümpfe der Herren sehr fasziniert. Obwohl auf den ersten Blick ähnlich, waren doch alle verschieden, mit schönen, kunstvollen Mustern aus dünner Wolle, offensichtlich handgestrickt. Allerdings kann man so einen Musik-Pavillon nicht endlos umrunden und den Herren dauernd auf die Waden starren, um sich die Muster einzuprägen, also habe ich mich auf dem internet auf die Suche nach Vorlagen begeben...und wurde bitter enttäuscht!
Zwar bin ich offensichtlich nicht die einzige, die sucht, doch waren die Ratschläge zwar gut gemeint, aber für mich wenig hilfreich. Man solle doch aus rustikaler, melierter beiger Wolle Socken mit Zopfmuster stricken und vielleicht sogar mit rustikalen (Kunst-)Lederteilen und Blechknöpfen in Edelweissform verzieren.
Nicht weniger verschreckt hat mich eine andere Dame, die erwähnte, sie müsse dieses Wochenende noch die Stutzen im Vereinsmuster fertigstricken...
Wenn man also kein Freund der "Tracht" im Stil der Schnulzen-Scheune ist und zudem findet, dass es im Leben schon genug Vorschriften gibt und man deshalb beim Stricken auf Selbstbestimmung grossen Wert legt, woher nimmt man dann die Muster für die Trachtensocken?
Es hat über zwei Jahre gedauert, die entsprechenden Bücher zusammenzutragen und vier Paar Trachtensocken zu stricken...also dachte ich mir, ein blog zum Thema könnte Anderen helfen, dies schneller zu schaffen - und sicher könne mir die geneigten Leser auch viele Dinge verraten, die ich noch nicht weiss!