Sonntag, 19. September 2010

Nadelparade April-Aufgabe


Diesmal bin ich sehr stolz auf mich...es hat zwar ewig gedauert, aber ich habe zum ersten Mal genau das fabriziert, was verlangt wurde: eine Stricknadel-Tasche. Das war wirklich die Aufgabe, wer will, kann das hier http://gefangener-engel.de/?p=10345 nachprüfen.


War ein hartes Stück Arbeit, man sollte die Tasche ja mit Stoff füttern (sehr vernünftig, sonst wären die Nadeln bald weg), aber nähen kann ich doch so schlecht und die Nähmaschine habe ich natürlich auch nicht gewonnen...

Hier also das Ergebnis, reinster Alpen-Kitsch!



Gelernt habe ich auch etwas, nämlich wie schwierig es ist, dehnbares Gestrick mit festem Baumwoll-Stoff abzufüttern (das macht man oft in Österreich mit den gestrickten Jankern, aber nach dieser Erfahrung lass' ich sowas wohl besser bleiben...). Und Knopflöcher kann ich noch immer nicht nähen...aber ich freue mich, dass ich zumindest die Knopflöcher an der richtigen Stelle angebracht habe und dass die Knöpfe durchpassen...





Dienstag, 14. September 2010

Nadelparade Mai-Aufgabe

Hmmm....irgendetwas erbeeriges....zur freien Entscheidung!
Das ist mal eine Aufgabe nach meinem Herzen!
Hier ist es also:



Kritiker (und die Welt ist voll davon) weden jetzt wohl fragen, wo hier bitteschön die Erdbeere ist?

Wohl noch nie was von moderner Kunst gehört?

Zum einen ist die Erdbeere doch offensichtlich! Den Aufschlag dieser Baby-Schuhe zieren eingestrickte Perlen...ganz traditionell nach historischer Trachtensocken- und Staucher-Manier vor dem Stricken in der gewünschten Reihenfolge auf die Wolle gefädelt und geschickt so verstrickt, dass die Perlen oben zu liegen kommen und sich nicht zwischen den Maschen verschlupfen...diese Perlen symbolisieren die harten Kerne auf der Erdbeer-Oberfläche und auch Erdebeeren sind weiss, bevor sie rot werden.

Ausserdem sollte Kunst auch immer einen übertragenen Sinn haben. Wenn also Erdbeerengel etwas erbeeriges fordert, so kann das indirekt als Frage nach einem Lieblingsstück interpretiert werden, etwas, das einem am Herzen liegt. Nein, ich bin nicht schwanger auf meine alten Tage. Auch sonst ist dieses Strickstück ehr praktisch als sentimental und hat mir aus der Klemme geholfen. Was soll man einem werdenden Grossvater schenken, der über höheres Einkommen/Rang in der Hackordnung/Rolle in der Gesellschaft verfügt als man selber? Nix wäre schäbig, etwas zu teures für den Beschenkten peinlich, etwas zu billiges für mich peinlich.

Also etwas Selbergemachtes. Geringer materieller Wert, angemessene Mühe. Das ideale Geschenk in diesem Fall. Endlich lohnt es sich mal, die Kunst des Strickens halbwegs zu beherrschen...aus meiner Sicht ein echter Glücksfall. Erdbeerig, eben.

Dazu gibt es noch das Herzerl mit meinem Lieblings-Heiligen für den frommen Touch der guten Fee (und noch dazu farblich harmonierend) und je zwei Satin-Bändel in rosa und blau, weil die werdenden Eltern der besseren Gesellschaft über vulgäre Neugier erhaben sind und sich bezüglich des Geschlechtes der Nachkommenschaft lieber überraschen lassen...

Samstag, 4. September 2010

Der Badeanzug

Unglaublich, aber wahr! Er wurde fertig. Eine ganz schöne Fleissarbeit, aber ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden und auch mit der verwendeten Sockenwolle.


Ins Wasser habe ich mich natürlich nicht getraut, dafür aber an die Beach-Bar!





Sommerpause


Sonntag, 18. Juli 2010

Der Badeanzug

....lässt mich nicht los. Auch wenn ich nicht gerade an ihm stricke - was bei rechten Maschen mit 2,5er Nadeln nicht sehr aufregend ist.


Heute früh war ich mal wieder beim Flohmarkt. Es war wie immer, ich kam an zu einer Zeit, die mir sehr früh erschien und wie immer waren die echten Profis auch schon wieder auf dem Rückzug. Schwer beladen. Und wie immer habe ich mich gefragt, was die jetzt wohl ergattert haben, was ich auch gerne gehabt hätte...obwohl ich das inzwischen nicht mehr wirklich ernst nehme, denn auch ich hätte noch früher aufstehen können. Ausserdem gehe ich zum Flohmarkt, weil ich alte Dinge liebe, nicht weil ich ökonomisch darauf angewiesen bin, die ergatterten Raritäten mit Gewinn weiterzuverkaufen... Ausserdem sind die Geschmäcker verschieden und wenn der Herrgott (und der heilige Antonius) wollen, dass ich ein bestimmtes Teil finde, dann werden sie dafür sorgen, dass auch der Verkäufer verschläft. Oder die frühen Vögel noch so trüb aus der Wäsche schauen, dass sie das Objekt meiner Begierde einfach übersehen.


So fand ich heute dieses Bild, das ich meinen geneigten Lerseinnen zeigen möchte.


Meist halte ich mich bei alten Fotographien zurück, obwohl ich sie am liebsten alle kaufen würde!


Es tut mir immer so unendlich Leid, Bilder von optimistisch dreinblickenden Kommunionskindern, Babys auf Bärenfellen, glücklichen Braut- und Jubelpaaren und Soldaten in voller Gardeuniform zu sehen, die ohne Nachkommen oder, noch schlimmer, mit Nachkommen, denen die Erinnerungen nur im Wege sind, in Schuhkartons oder am Rade von Regenpfützen auf dem Fussboden liegen zu sehen, manchmal in alten Rahmen mit zersprungenem Glas, angeboten von "Haus-und Dachboden-Räumern", die den Preis nach dem Zustand des Rahmens bemessen.


Auch wenn mein liebster katholischer Taliban meint, ich sollte Sonntags lieber in die Messe gehen, mir ist der Flohmarkt lieber, dort kann ich in Ruhe über Neid, Gier, Wunder, Erlösung und die Vergänglichkeit alles Irdischen nachdenken....


Und jetzt zeige ich Euch endlich das Bild, eine Erinnerung an einen vergnügten Tag am Strand, aus der Zeit, wo man noch gestrickte Badeanzüge trug. Und von solchen Erinnerungen wohl auch viel länger zehrte als heute:





Sonntag, 11. Juli 2010

Thema verfehlt

Lange habe ich überlegt...

Zum Thema Trachtensocken habe ich im Moment nichts zu sagen, weil ich an etwas ganz anderem stricke...Einerseits finde ich es schön, wenn mir jemand in seinem blog alles über ein gewisses Thema erzählt, andererseits sind blogs, wo nie etwas passiert einfach öd. Also stehe ich vor der Entscheidung, einen öden blog zu haben oder vom Thema abzuweichen.

Also schweife ich einmal ab...

Zur Zeit beschäftige ich mich mit meiner zweiten Strick-Leidenschaft: vintage. Vintage ist der englische Begriff für altes, unmodernes, unpraktisches und meist völlig überteuertes Zeugs. Warum das mich als Strickerin fasziniert? Weil es mich der Antwort auf die Frage "warum stricke ich?" ein Stück näher bringt.

Ich glaube, ich stricke, um Dinge herzustellen, die ich nicht kaufen kann. In Zeiten, wo es billiger ist, bei einer der in jeder Fussgängerzone allgegenwärtigen Bekleidungs-Ketten einen Pullover zu kaufen als die neueste Verena und die Wolle für das Titel-Modell, macht letzteres für mich keinen ökonomischen Sinn und bereitet mir auch wenig Spass. Der gekaufte Pullover erspart mir die verhasste Maschenprobe sowie das Stricken und Einfügen der Ärmel, ich probiere den Pullover und weiss vor dem Kauf, ob Form und Farbe mir gefallen. Selbergestricktes bedeutet immer ein Risiko, ob das Modell einem wirklich steht und die Passform so ist, wie man sie anhand der Maschenprobe errechnet hat - und ob die Farbe, die auf dem Knäul so schön wirkte, auch auf der grossen Fläche noch schön und kleidsam ist.

Der einzige Grund, diese Risken auf sich zu nehen ist meiner Meinung nach, ein Kleidungsstück zu besitzen, das sonst kaum jemand hat und das man auch in dieser Form nicht im Handel findet - oder eine interessante Stricktechnik auszuprobieren. Also stricke ich Dinge, die nicht "mainstream" sind, wie traditionelle Trachtensocken oder eben...vintage, weil ich schon immer eine Vorliebe für alte Dinge hatte.

So wurde ich auf ein Buch aufmerksam, "A stitch in Time" von Jane Waller und Susan Crawford, das ich mir in England bei knitonthenet bestellt habe. Sehr interessant, weil sowohl die ursprüglichen Anleitungen als auch die überarbeiteten Anleitungen gezeigt sind. Dieses Buch ist in einer Neuauflage erschienen und war in der Zwischenzeit vergriffen und unbezahlbar, hat also wahrscheinlich eine Art Kult-Status.

Das Modell "call of the sea" aus diesem Buch ist eine der Inspirationen für mein derzeitiges Strick-Projekt: Der Badeanzug. Da ich mich nie genau an Anleitungen halte, habe ich beschlossen, die schöne Möve wegzulassen und stattdessen die traditionellen Streifen zu stricken, die ich auf einem Bild in einer Zeitschrift entdeckt habe. Ausserdem habe ich eine Original-Anleitung aus den 30er Jahren für einen Damen-Badeanzug und eine kitschige Porzellanfigur vom Flohmarkt.





Solchermassen gerüstet, mussste ich mich für das richtige Material entscheiden. Die Original-Anleitung strickt mit Wolle, "The call of the Sea" verlangt Baumwolle. Das Garn sollte auch nicht allzu dick sein. Ich entschied mich schliesslich für Sockenwolle von Lana Grossa, ein Wolle-Baumwoll Mix mit etwas Elasthan (was zwar nicht authentisch ist, in diesem Fall aber sicher nicht schadet). Glücklicherweise ist dieses Garn in Schwarz und einem schönen, leuchtenden Blau erhältlich. Das Stricken ist mit 2,5 er Nadeln eine rechte Fleissarbeit und ehr langweilig. Ich stricke rund, am Saum des "Kleidchens" beginnend, um Linksreihen und Seitennähte zu vermeiden - eine zweite Rundnadel ermöglicht es, das Teil anzuprobieren. Inzwischen bin ich beim Halsausschnitt angelangt, der etwas weniger tief als der Rücken- und die Armausschnitte sind - ausserdem musste ich feststellen, dass ich entgegen aller Anleitungen beim Vorderteil die Maschen der Armausschnitte langsamer abnehmen muss als beim Rückteil.

Die nächste Frage wird das Hosenteil...eine Anleitung beginnt mit Rock und Hose gleichzeitig und strickt die Maschen in der Taille zusammen, die andere strickt die Hose extra und näht sie fest, ich spiele mit dem Gedanken, die Maschen für die Hose aus dem Oberteil aufzunehmen und sie von der Taille nach unten zu stricken, mit verkürzten Reihen hinten und einem eingestrickten Zwickel...

Fortsetzung folgt (vielleicht)

Freitag, 28. Mai 2010

Landlust-Loferl



In der Zeitschrift "Landlust" vom März/April war ein sehr interessanter Artikel über eine Dame, die allerlei Arten von Trachtenstrümpfen strickt und ich musste einfach die Loferl (Loiferl) nachmachen, zumal sie in meinem Lieblingsgrün sind.


Manche Leute wundern sich, warum die Bayern komische gestrickte Manschetten um die Wadeln tragen...das sind sie, die Loferl, von denen man oft recht kurze, gewissermassen im Lauf der Evolution verkümmerte Exemplare sieht.


Manchmal ist das Loferl auch zweiteilig, mit einer Art Sneaker-Socke kombiniert, doch Experten meinen, das sei die Version für Weicheier. Dieser Meinung habe ich mich sofort angeschlossen, da ich das Stricken von Sneaker-Socken langweilig finde und meine Vorräte an lieblingsgrüner Wolle leider auch beschränkt sind.


Auch ist das Gerücht falsch, die zweiteiligen Loiferl seien historisch entstanden, um bei abgewetzten Fersen schnell und einfach einen neuen Fuss zu stricken und das Beinteil weiter zu verwenden...Durchgewetzte Fersen wurden gestopft oder sogar mit Stoff-Flicken besetzt. Vielmehr stammen die Loferl aus der Zeit, wo Schuhe noch Luxus waren und dienten dazu, die Beine der barfuss laufenden Träger(innen) zu wärmen und auch um die nötige Sittlichkeit zu wahren, denn das Vorzeigen nackter Haut war verpönt. Daher auch die "richtige" Länge vom Knie bis zum Knöchel.
Das Stricken der Loferl hat grossen Spass gemacht und war mühelos mit einer Maibock-Probe und der mir zugedachten Rolle als "Brunskartler" zu verbinden...

Deshalb melde ich auch meine Loferl gleich als "gute Laune Socken" bei der Nadelparade http://gefangener-engel.de/?p=9901 an, obwohl ich schon wieder das Thema verfehlt habe, denn es sind streng genommen gar keine Socken, eine der drei vorgeschriebenen Farben fehlt auch und zum vorherigen Ablichten der Wolle hatte ich keine Zeit, weil ich unbedingt gleich mit dem Stricken beginnen wollte...aber nach ein paar Gläsern Maibock sind einem solche Details total wurscht...Prost!