Samstag, 20. März 2010
Stricken im März
Montag, 1. März 2010
Hurra, ich bin dabei!
Zwischenruf:
Zuerst muss ich natürlich etwas zum Handy an sich loswerden...ja, ich besitze eines, siehe Beweisfotos! Und ich bewundere die Weitsicht der Erfinder, das Handy ist ein Produkt, das seine Nachfrage selber erschafft, die Menschen benutzen es nicht etwa, weil sie etwas zu sagen hätten, nein, sie benutzen es einfach nur deshalb, weil sie ein Handy haben. Leute, die auf der Strasse scheinbar Selbstgespräche führen oder irgenwo im "öffentlichen Raum" ihre Privat-Angelegenheiten im kleinsten Detail ausbreiten, stören mich nicht weiter. Ausgiebige Gespräche in überfüllten Umkleidekabinen zu Zeiten des Schlussverkaufs schon ehr. Dass jemand im Abteil neben mir auf der Damen-Toilette ein Gespräch angenommen hat, um fröhliche Belanglosigkeiten auszutauschen, das hat mich schon sehr erstaunt.
Aber mein Handy ist sowieso anders, es ist in Wahrheit eine tragbare, private Telefonzelle. Ich kenne meine Nummer nicht auswendig, fast niemand hat sie, wer sie hat, weiss, dass ich auf dem Handy nicht erreichbar bin, weil ich es nur dann kurz einschalte, wenn ich etwas zu sagen habe - eine tragbare Telefonzelle eben! Deshalb finde ich es auch eine gute Idee, das selten benutzte Stück in eine liebevoll gestrickte Hülle zu stecken...warum muss ich dabei nur an die gehäkelten Klorollen-Überzüge denken, die früher die Hutablagen pastellfarbener Opels und Fords zierten?
Und nun zur Sache:
Natürlich habe ich die Februar-Aufgabe schon fertig: eine Handy-Mütze...
Meine Handy-Mütze ist natürlich im klassischen Trachtensocken-Stil!
Von vorne:
Und etwas weniger klassischer "Alpenkitsch" von hinten:
War ein grosser Spass, die Handysocke...äh, Mütze zu stricken.
Natürlich habe ich, wie schon so oft, die Aufgabe überflogen, mich gefreut: "prima, das kann ich mit Links!" und erst viel zu spät den Text gründlich gelesen...dass das mit der Mütze nicht im übertragenen Sinne, sondern wörtlich gemeint war! Thema verfehlt, setzen, fünf!
Natürlich versuche ich, mich rauszureden: es muss erst mal jemand beweisen, dass dieses Teil keine Mütze darstellt! Oben spitz zulaufend und mit einem Bommel endend, das wäre vielleicht "mütziger" gewesen, doch würden sich in dem Bommel alle klebrigen Krümel ansammeln, die sich auf dem Grund meiner Handtasche, dem gewöhnlichen Aufenthalt des Handys, abgelagert haben! Also doch lieber der elegante, pfegeleichte Mäusezähnchen-Zackenrand. Die freundlichsten, mir zur Verfügung stehenden Frühlingsfarben habe ich auch benutzt: DAS GRÜN sowie das allerhellste, frühlingshafteste Grau!
Auch sonst folgt die Form der Funktion, das Bündchen unter dem Umschlag hält die MÜTZE (sic!) auf dem Handy und verhindert das herausrutschen, ausserdem hat das gestrickte Werk schon einige Menschen zum Lachen gebracht...und darauf kommt es doch schliesslich an, oder nicht?
Samstag, 27. Februar 2010
Da würde ich gerne mitstricken!
Unter dieser Adresse: http://gefangener-engel.de/?p=8908 gibt es jeden Monat eine Aufgabe, was man stricken soll...das könnte interessant werden...
Hoffentlich habe ich nicht irgendwelche Fristen verpasst oder links falsch gesetzt und kann noch mitstricken...
Samstag, 16. Januar 2010
Egoismus
In diesem kalten Winter habe ich beschlossen, einmal etwas für mich selber zu stricken, und zwar klassische Trachtensocken als fingerlose Handschuhe. Das ist weiter kein Problem, wer einen Wadenkeil stricken kann, der kann das Muster auch zum Daumenkeil umwandeln...
Die Anatomie der männlichen Trachtensocke
Der Anfang
Wahlweise:
- ein Umschlag (wie auf dem Bild)
- Ein doppelter Rand - der Umbruch wird durch wahlweise eine Lochreihe („Mäusezähnchenrand“) oder eine Reihe linker Maschen erreicht
- Ein langes geripptes Bündchen, das bis über das Knie reicht, für sogenannte Bundhosenstrümpfe. Wurde besonders gerne in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts getragen, am liebsten in knallrot als Kontrast zur schlammfarbenen Wander-Kniebundhose aus Cordsamt.
Während die Strümpfe mit doppeltem Rand nie falsch sind, sind Bundhosen-Strümpfe wie der Name schon sagt nur zu Hosen geeignet, die das Knie bedecken. Schliesslich sind Overknees bei den meisten Männern nur bedingt sexy. Strümpfe mit Umschlag kommen nur bei kurzen Hosen richtig zur Geltung. Deshalb hat sich der Herr, dem ich die Strümpfe mit dem karierten Umschlag gestrickt habe auch extra die passende kurze Lederhose gekauft (was ich sehr lobenswert finde!).

Nach dem Umschlag stricke ich gerne einige Zentimeter im Bündchenmuster, mit einer linken und einer rechts verschränkten Masche. Das gibt Halt und es geht schnell, denn schon jetzt mit dem eigentlichen Muster anzufangen wäre vergebene Liebesmüh, denn dieser Teil des Strumpfes verschwindet unter dem Umschlag.

Welchen Anfang man auch wählt, wichtig ist neben der Zierde auch der Halt. Trachtenstrümpfe sind knielang und sitzen stramm am Bein, damit das Muster gut zur Geltung kommt – sie hängen keinesfalls auf Halbmast oder schlabbern um die Knöchel.
Der Wadenkeil
Gleich nach dem Bündchen sollten bei Zugmaschen-Mustern einige Maschen zugenommen werden, da diese Muster sich stark zusammenziehen. Hier beginnt auch gleich der Wadenkeil, mit etwa zwei Dritteln seiner maximalen Breite...das gibt zusätzlichen Halt, die Schwerkraft ist bekanntlich die Feindin jedes Strumpfes und jeder Socke.
Abgesehen von diesem praktischen Aspekt ist der Wadenkeil die Zierde des Strumpfes und diente ursprünglich dazu, die stramme Wade zu betonen und die mickrige Wade strammer erscheinen zu lassen. Angeblich wurde zu diesem Zweck früher sogar manchmal für diesen Teil des Strumpfes dickere Wolle verwendet. Bei meinen Recherchen habe ich gesehen, dass ein Münchner Anbieter von Lederhosen sogar eine Art Mogel-Wadl erfunden hat, welches, zwischen Bein und Strumpf geschoben, einfach mehr hermacht! Das wäre sicher auch eine Lösung, wenn der schöne Strumpf um die Wade zu weit geraten ist, als Alternative zum Auftrennen des mühsam und kunstvoll gestrickten Wadenkeils.
Bei Damen und Kindern beginnt der Wadenkeil übrigens bei seiner Maximal-Breite und alle Wadenkeile sind im unteren Drittel des Beins völlig verschwunden. Die Abnahme der Maschen orientiert sich im Idealfall an der Form der Wade.

Der Strumpfzwickel
Zweifellos die Königsdisziplin des Trachtensockenstrickens. Dieses Teil sitzt seitlich, etwa fünf-Finger-breit über dem Knöchel und verbreitert sich leicht in Richtung Schienbein und Ferse. Habe ich noch nicht gestrickt und Anleitungen bisher nur im Buch „Bäuerliches Stricken“ gesehen. Steht aber auf meiner do-liste!
Der Fuss
Ferse und Fuss werden ganz normal gestrickt – bei mir Käppchen-Ferse, anfangs mit Beilauf-Faden, später habe ich die Verstärkung durch ein gestricktes Gittermuster gefunden, die mir besser gefällt. An welcher Stelle des Fusses das Muster aufhört ist Geschmackssache und hängt auch nicht zuletzt von den getragenen Schuhen ab. Einerseits reiben glatt gestrickte Socken weniger, andererseits finde ich es nicht schön, wenn das Muster zu früh endet.

Nachtrag
Als Material finde ich 4-fädige Sockenwolle am besten, bei dickerer Wolle könnte ich nicht genug Muster unterbringen. Ich stricke die Strümpfe am liebsten mit 2,25er Nadeln.
Die Farbe ist Geschmackssache, allerdings musste ich leidvoll feststellen, dass Zugmaschenmuster nur bei sehr hellem Grau schön plastisch wirken und dunklere Farben viel Muster „schlucken“.
Auf alten Abbildungen findet man durchaus auch andere Farben - vor allem wollweiss, rot, blau, grün, bräunlich...allgemein sind Zugmaschen-, Zopf- und andere plastische Muster am häufigsten, Lochmuster werden kaum verwendet, andersfarbige Zierstickereien und farblich betonte Strumpfzwickel kommen auch vor. Leider sind die Muster der Strümpfe auf den meisten Abbildungen nur angedeutet und nicht klar genug zu erkennen, als dass es möglich wäre, sie nachzustricken...
Sonntag, 6. Dezember 2009
Das Stricken als volkswirtschaftliches Paradox
Der Preis eines Gutes bestimmt sich bekanntlich auf dem Markt, dort, wo möglichst viele Anbieter und Nachfrager zusammenkommen.
Um ein Gut zu erzeugen, müssen Produktionsfaktoren eingesetzt werden, also Arbeit, Boden und Kapital. Durch geschickte Kombination dieser Faktoren esteht ein Gut, das auf dem Markt einen höheren Preis erzielen sollte als die Summe, die zur Entlohnung der Produktionsfaktoren notwendig ist.
Stricktechnisch würde dies bedeuten, dass das Gut, zum Beispiel die Socke oder der Pullover, auf dem Markt (z.B. beim Internet-Auktionshaus) einen höheren Preis erzielen müsste als die entsprechende Menge Wolle – was allerdings nach meiner Beobachtung nur selten der Fall ist.
Daraus schliesse ich, dass bei der Kombination der Produktionsfaktoren Wolle und Arbeit kein Wert entsteht, sondern im Gegenteil sogar Werte vernichtet werden.
Deshalb sollte der Volkswirt die Finger von den Stricknadeln lassen!
PS: nein, ich habe noch nie eines meiner Werke beim Auktionshaus angeboten und ja, der beobachtete Wertverlust bezieht sich auf Gestricktes im Allgemeinen...klassische Trachten-Stutzen sind von diesem Phänomen ausgenommen, da kommt der Wollpreis meist locker herein, auch wenn das Stricken ehr ein Ein-Euro-Job ist. Noch ein Grund mehr, wenn überhaupt, dann nur Trachtensocken zu stricken!
Garantiert keine Tracht und eigentlich auch keine Socken
Ist Oblomova endlich zurückgekehrt....
Das Leben....
Wird wieder interessant...
